Aufgeben ist keine Option

Im Interview mit Dominik Landertinger, ehemaligem Biathleten, geht es um weit mehr als sportliche Erfolge. Im Mittelpunkt stehen die Prinzipien des Spitzensports und ihre Übertragbarkeit auf den Arbeitsalltag und das Leben insgesamt – insbesondere im Hinblick auf Leistungsfähigkeit, Regeneration, Resilienz und Zielsetzung.

Dominik Landertinger gibt dabei einen umfassenden Einblick in seine sportliche und berufliche Laufbahn sowie in seine grundlegende Haltung zu Leistung und Gesundheit. Heute ist er als Biathlon-Experte für den ORF bei Weltcupbewerben tätig und führt mit Landertinger Performance ein eigenes Unternehmen. Die Erfahrungen aus seiner Zeit im Spitzensport bilden das Fundament für seine heutige Arbeit.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die enge Verbindung zwischen Leistungsfähigkeit und Gesundheit. „Während im Spitzensport Belastung, Erholung und Regeneration selbstverständlich geplant, gemessen und gesteuert werden, werden diese Aspekte im Berufsalltag häufig vernachlässigt,“ erklärt Herr Landertinger. Er sieht hier deutliche Parallelen zwischen Spitzensport und Wirtschaft, insbesondere im Top-Management: Auch dort geht es um dauerhaft hohe Leistung unter konstantem Druck. Der entscheidende Unterschied liegt führ ihn jedoch darin, dass sich viele Menschen im Arbeitsleben notwendige Regenerationsphasen nicht erlauben – obwohl genau diese die Voraussetzung für langfristige Leistungsfähigkeit und Gesundheit wären.

Aus seiner eigenen sportlichen Laufbahn beschreibt er, dass Spitzenleistung immer aus einem fein abgestimmten Wechselspiel von Belastung und Erholung entsteht. „Ein Spitzensportler fordert seinen Körper gezielt und schenkt ihm danach ebenso gezielt die notwendige Regeneration, um stärker zurückzukommen,“ teilt Herr Landertinger seine Erfahrung. Wird diese Balance vernachlässigt, droht Übertraining – ein schleichender Prozess, der oft lange unbemerkt bleibt und letztlich zu Leistungsabfall, erhöhter Krankheitsanfälligkeit und im Extremfall zum Ausfall ganzer Saisonen führen kann. Diese Erfahrung hat Herr Landertinger selbst zweimal gemacht: Trotz Weltspitzen-Niveau versuchte er, durch noch mehr Intensität zusätzliche Leistungsreserven zu erschließen. Statt Leistungssteigerung folgten jedoch häufige Infekte und ein massiver Einbruch der Performance.

Diese Erkenntnisse überträgt er heute bewusst auf den Arbeitsalltag. Ein Gedanke zieht sich dabei durch das gesamte Interview: Überlastung wird meist erst sehr spät erkannt. Ähnlich wie im Sport zeigt sich auch im Berufsleben ein schleichender Leistungsabfall – die Konzentration lässt nach, die Ergebnisse werden schlechter, Erholung wird zunehmend vernachlässigt, bis schließlich ernsthafte gesundheitliche Probleme wie Erschöpfung oder Burnout auftreten. Landertinger plädiert daher klar dafür, „Regeneration frühzeitig und aktiv einzuplanen, anstatt erst zu reagieren, wenn der Körper bereits deutliche Warnsignale sendet“.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs spricht er über den Umgang mit Druck und Nervosität über lange Zeiträume hinweg, etwa über eine gesamte Wettkampfsaison. Im Leistungssport ist es entscheidend, Spannung gezielt aufzubauen und nach Wettkämpfen bewusst wieder abzubauen, anstatt dauerhaft im Hochstressmodus zu verbleiben. Diese wellenförmige Belastung ermöglicht es, über längere Zeit leistungsfähig zu bleiben. Eine gute körperliche Basis – insbesondere im Ausdauerbereich – erhöht dabei die Widerstandsfähigkeit gegenüber mentalem und emotionalem Stress erheblich. „Mentale Stärke spielt eine wichtige Rolle, doch körperliche Fitness bildet das Fundament, um Druck überhaupt gut verarbeiten zu können“, erklärt Herr Landertinger.

Ein weiterer prägender Faktor seiner Karriere war das starke Unterstützerteam. Obwohl er viele Trainingsmethoden selbst erarbeitet und gesteuert hat, war ein Trainer stets für den übergeordneten Rahmen zuständig. Ergänzt wurde dieses Team durch Physiotherapeuten, einen Sportpsychologen sowie – gerade im Biathlon essenziell – ein professionelles Serviceteam für das Material. Besonders im Umfeld des österreichischen Skiverbands war diese ganzheitliche Betreuung auf höchstem Niveau. Der Blick von außen ist entscheidend, um Betriebsblindheit zu vermeiden und rechtzeitig Korrekturen vorzunehmen. Auch in der Wirtschaft ist Erfolg letztlich Teamsport – mit gegenseitiger Unterstützung und externer Perspektive.

Eng damit verbunden sind die Themen Zielsetzung, Fokus und Konzentration. Spitzenleistungen sind nur möglich, wenn klare Ziele definiert und konsequent verfolgt werden. Dabei geht es weniger um das Ziel selbst als um den Weg dorthin. Ein starkes Ziel wirkt hoch motivierend und ist oft ausschlaggebend dafür, die eigene Komfortzone zu verlassen. Gleichzeitig betont Landertinger die Bedeutung von Zwischenzielen, die Orientierung geben, Fortschritte sichtbar machen und helfen, auch in schwierigen Phasen dranzubleiben.

Niederlagen sind dabei ein unvermeidlicher Teil des Prozesses. Entscheidend dabei ist nicht das Scheitern selbst, sondern der Umgang damit. Nur wenn Rückschläge analysiert, Ursachen erkannt und konkrete Verbesserungen abgeleitet werden, kann echtes Lernen stattfinden. Gerade im Biathlon, einer Sportart mit extremen körperlichen und mentalen Anforderungen, kommt es immer wieder zu Phasen von Misserfolgen. In solchen Momenten braucht es Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, den eingeschlagenen Weg kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.

Mentale Stärke beschreibt Landertinger als sehr individuell. Für ihn persönlich war „Aufgeben nie eine Option“ – ein Grundsatz, der tief in seiner Persönlichkeit verankert ist. Eine besondere Herausforderung stellte für ihn die gezielte Arbeit an Konzentration und Fokus dar, insbesondere im schießtechnischen Bereich. „Biathlon verlangt die Fähigkeit, nach maximaler körperlicher Belastung innerhalb weniger Sekunden vollständig zur Ruhe zu kommen und hochpräzise Leistungen abzurufen,“ erklärt Herr Landertinger. Dieser abrupte Wechsel zwischen Ausdauerextremen und mentaler Fokussierung zählt für ihn zu den größten Herausforderungen der Sportart.

Ein zentrales Werkzeug dabei war die bewusste Arbeit mit Atemtechniken. Bereits im Zulauf zum Schießstand beginnt der Prozess des „Runterfahrens“, um Atmung, Herzfrequenz und Gedanken zu kontrollieren. „In den entscheidenden Sekunden geht es darum, alles Unwesentliche auszublenden und sich ausschließlich auf die trainierten Abläufe zu konzentrieren“, meint er. Besonders die Bauchatmung hat sich als wirksames Mittel erwiesen, um unter hoher Belastung Ruhe, Stabilität und Präzision zu ermöglichen. Diese Erfahrungen überträgt er heute auch auf die Arbeitswelt, etwa auf Präsentationen, wichtige Gespräche oder emotionale Meetings.

Gleichzeitig betont er, dass einzelne Techniken allein nicht ausreichen. Für einen nachhaltigen Umgang mit Stress ist ein ganzheitliches, präventives Konzept entscheidend. Kurzfristige Maßnahmen könnten akute Belastungen lindern, echte Stressresistenz entstehe jedoch durch ein stabiles Fundament aus gutem Zeitmanagement, ausreichend Schlaf, regelmäßiger moderater Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung. Schlaf bezeichnet Landertinger dabei als den zentralen Regenerationsfaktor. Kurze „Powernaps“, bewusste Pausen und aktive Erholung gehören für ihn ebenso dazu wie ruhiges Grundlagenausdauertraining, das nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch Stressresistenz, Immunsystem und mentale Belastbarkeit stärkt.

Gerade in Zeiten von Digitalisierung und permanenter Reizüberflutung wird es immer schwieriger, zur Ruhe zu kommen. Die Nutzung digitaler Geräte bis spät in den Abend hinein wirkt sich negativ auf das vegetative Nervensystem und die Schlafqualität aus. Bewusste Abendroutinen – wie das Weglegen des Handys, ruhige Spaziergänge oder Lesen – sind einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen, um Regeneration zu ermöglichen. Auf die Frage nach seinem größten Learning aus der sportlichen Karriere nennt Herr Landertinger ohne Zögern das „Prinzip des Nicht-Aufgebens“. Besonders in den letzten Jahren seiner Laufbahn, die von einem Bandscheibenvorfall und massiven Leistungseinbußen geprägt waren, hat sich dieses Mindset als entscheidend erwiesen. „Trotz schwieriger Phasen bin ich konsequent an meinen Zielen drangeblieben und konnte meine Karriere schließlich mit einer Medaille abschließen,“ fasst Herr Landertinger zusammen. Diese Erfahrung hat ihn nachhaltig geprägt und zählt zu den wichtigsten Lektionen, die er bis heute mitnimmt.

Fotocredit: Ringler Stefan

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