Mit Natascha Kantauer-Gansch, CCO Consumer A1, Telekom Austria AG spreche ich über Empowerment.
Empowerment ist für Frau Kantauer-Gansch ein Herzensanliegen.
„In der Unternehmenskultur der A1 Group hat sich in den letzten Jahren viel verändert – hin zu mehr Offenheit, ehrlichem Dialog und echtem Empowerment“, leitet Frau Kantauer-Gansch unser Gespräch ein. Mitarbeitende fühlen sich gehört und dürfen auch kritische Themen offen ansprechen. In unserem Haus wird Austausch heute als essenziell erlebt, um Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Statt einseitiger Präsentationen werden Meetings heute bewusst dialogisch gestaltet: Kurze Impulse, viel Raum für Diskussion. Diese neue Offenheit ist Ergebnis eines kulturellen Wandels – getragen von Führungskräften, die auch selbst Veränderung vorleben.
Empowerment ist dabei kein Soft Skill, sondern ein echter Erfolgsfaktor: Es ermöglicht schnellere, bessere Entscheidungen und hilft unsere Organisationen an dynamische Marktbedingungen anzupassen. Unsere Führungskräfte sehen sich selbst als Teil dieses Wandels. „Purpose“ – sowohl auf Unternehmensebene als auch ganz persönlich – ist dabei wichtig. Mein eigener Antrieb: „Menschen dabei zu unterstützen, ihre Stärken zu erkennen und sich entlang dieser Stärken weiterzuentwickeln“, meint Frau Kantauer-Gansch. Dieses Verständnis von Sinn und Entwicklung teilt Frau Kantauer-Gansch mit anderen Führungskräften – mit teils tiefgreifender Wirkung: Einige verließen das Unternehmen, andere blühten darin auf.
Die persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen „Purpose“ erfordert Mut und Ehrlichkeit – auch wenn der Prozess in unserem Haus gut begleitet ist. Frau Kantauer-Gansch teilt ein konkretes Beispiel: Aus dem Reflexionsprozess haben wir das Format “Be on Stage” ins Leben gerufen: ein freiwilliges Entwicklungsprogramm für Mitarbeitende ohne Führungsfunktion, etwa aus Callcentern oder Shops, die oft übersehenes Potenzial mitbringen. Anders als klassische Führungskräfteprogramme zielt es darauf ab, Talente sichtbar zu machen, individuell zu fördern und echte Entwicklungschancen zu schaffen.
Bei diesem Programm steht echte Freiwilligkeit im Vordergrund – keine standardisierten Maßnahmen, sondern Formate, die immer wieder zeitnah angeboten und weiterentwickelt werden. Entscheidend ist auch, dass ich als Führungskraft nicht nur symbolisch präsent bin, sondern mit echtem Interesse und Engagement. Es geht nicht um Selbstdarstellung oder Social-Media-Posts, sondern um echtes, gelebtes Führungsverständnis – nah an den Menschen.
Sie sind ein echtes Vorbild für Empowerment, wie leben Sie dieses im Alltag?
„Mein Interesse an Menschen ist tief verwurzelt. Ich möchte wissen, wie es anderen geht – sowohl beruflich als auch privat. Ich bin offen für ehrliche Gespräche und möchte Unterstützung anzubieten, wenn es jemandem nicht gut geht“, beschreibt Frau Kantauer-Gansch Ihren Zugang. Diese Haltung ist Teil ihrer Führungsphilosophie, die sie auch aktiv an ihr Team weitergibt.
Frau Kantauer-Gansch spricht über ihre langjährige Bindung zur A1, die auf gemeinsamen Werten, echter Weiterentwicklung und einer klaren, menschenzentrierten Strategie basiert. Die vier zentralen Werte der Gruppenstrategie
- Empower – Klarheit durch eine starke Vision und Rahmenbedingungen, die es Mitarbeitenden ermöglichen, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
- Enable – Eine gelebte Lernkultur, die Mut zum Ausprobieren, zum Experimentieren und zum Fehler zulassen fördert. Wir bei A1 leben diesen Lernprozess aktiv vor und inspirieren uns auch gegenseitig.
- Connect – Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe, gemeinsames Wirken als Team.
- Empathize – Echte Fürsorge und Aufmerksamkeit für den Menschen hinter dem Mitarbeiter, mit einem ganzheitlichen Blick auf persönliche und berufliche Lebenssituationen.
Ein zentraler Aspekt ihres Führungsstils ist Empowerment durch Vertrauen, Augenhöhe und die bewusste Auswahl von Teammitgliedern, „die mich fachlich und persönlich fordern, ergänzen und sogar übertreffen können. Ich setzte auf Menschen mit Mut, Expertise und dem richtigen Mindset, die nicht davor zurückschrecken, zu widersprechen und Diskussionen zu führen“, führt Frau Kantauer-Gansch aus.
Da viele Herausforderungen nicht mehr mit Erfahrungen aus der Vergangenheit gelöst werden können, braucht es Mut, Offenheit und die Fähigkeit, zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen. Dafür ist es für Frau Kantauer-Gansch entscheidend, sich mit kompetenten Menschen zu umgeben und deren Expertise ernst zu nehmen.
Auch echtes Zuhören in der Führung ist für Frau Kantauer-Gansch eine Fähigkeit, die in der heutigen Gesellschaft oft zu kurz kommt. „Mitarbeitende erwarten kein sofortiges Feedback, sondern zunächst Aufmerksamkeit und reflektierte Rückmeldungen. Ich achte bewusst darauf, zuzuhören, Fragen zu stellen und verschiedene Perspektiven einzubeziehen – besonders bei strategischen Entscheidungen“.
Ziel ist es, eine einheitliche, spürbare Kultur im Unternehmen zu schaffen, in der Abteilungswechsel nicht wie ein Wechsel des Unternehmens wirken.
Frau Kantauer-Gansch berichtet ein konkretes Beispiel, nämlich eine große Organisationsveränderung, die sie im letzten Jahr durchgeführt hat. In einem Transformationsprozess wurde von einer produktorientierten Struktur auf eine Kunden-fokussierte Organisation umgestellt – mit echtem Mehrwert für den Kunden. Ich habe diesen Prozess mit einem kleinen, engagierten Kernteam gestartet, bevor später meine Direct Reports einbezogen wurden. Trotz anfänglicher Unsicherheit und Machtverschiebungen beteiligten sich alle aktiv. Die gemeinsame Entwicklung sorgte für starke Identifikation, hohe Akzeptanz und ein gelungenes, verbindendes Roll-out der neuen Struktur. Das positive Feedback in späteren Mitarbeitergesprächen bestätigt, dass der Weg, so herausfordernd er auch war, der richtige gewesen ist.
Abschließend betont sie, wie wichtig es ist, reflektieren zu können – idealerweise mit jemandem außerhalb der Organisation. „Denn Führung bedeutet nicht, alles zu wissen, sondern auch, im Prozess zu lernen, hinzufallen, wieder aufzustehen – und gemeinsam mit dem Team an Herausforderungen zu wachsen“, fasst sie zusammen.
Wir thematisieren die enge Verbindung zwischen Empowerment und psychologischer Sicherheit.
Eine offene Unternehmenskultur funktioniert nur, wenn Mitarbeitende den nötigen Rahmen haben, um sich ehrlich äußern zu können. Entscheidend ist, wie mit Kritik und unterschiedlichen Meinungen umgegangen wird – ob dafür Raum und Wertschätzung bestehen.
Psychologische Sicherheit spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie bedeutet nicht klassische Arbeitsplatzsicherheit, sondern Vertrauen im Umgang, in Prozessen und in der Kommunikation. Fehlt sie, geht wertvolles Potenzial verloren – sowohl in der Kreativität als auch in der Zusammenarbeit.
Deshalb legt Frau Kantauer-Gansch großen Wert auf transparente Kommunikation, besonders in Veränderungsprozessen. Wieder teilt sie ein konkretes Beispiel: das Female Empowerment Programm. „Ich bin sehr stolz, dass bereits rund 100 Frauen teilgenommen haben“, sagt sie. Trotz unterschiedlicher Hürden – etwa familiäre Verpflichtungen oder Selbstzweifel – entwickeln sich fast alle Teilnehmerinnen innerhalb eines halben Jahres weiter, unterstützt durch Ausbildung, Community und gezielte Förderung. Auch junge Führungskräfte werden besonders gefördert.
Stolz ist sie auch darauf, dass viele Frauen heute Führungsrollen einnehmen und Shared Leadership im Unternehmen tatsächlich gelebt wird. Diese Kultur der Offenheit und Unterstützung verändert das Unternehmen spürbar.
„Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es da und dort noch bestehende Subkulturen gibt, aber die wachsende Offenheit und die Unterstützung, die ich selbst über viele Jahre hinweg erfahren habe, bestärken diesen Weg konsequent weiterzugehen“, sagt Frau Kantauer-Gansch. Wichtig ist ihr, dass Führungskräfte ihren eigenen Stil leben dürfen, solange sie eine wertschätzende, offene Kultur fördern.
Schließlich sprechen wir noch über die Unternehmenskultur, sie hat sich stark gewandelt: vom technologie- über das produktzentrierte hin zum kundenzentrierten Unternehmen.
Diese Transformation ist auch von außen sichtbar – etwa durch positive Entwicklungen im Employer Branding und beim Engagement der Mitarbeitenden. Mit dem Kulturprogramm „Create a Smile“ will Frau Kantauer-Gansch erreichen, dass gelebte Freundlichkeit von innen nach außen wirkt – und so auch KundInnen emotional gebunden werden. Entscheidend dafür ist es, Menschen mit der richtigen Haltung einzustellen, insbesondere in Führungspositionen. Feedbackkultur und Menschlichkeit stehen für sie dabei im Mittelpunkt.
Ihr Stresstipp:
Frau Kantauer-Gansch nennt zwei persönliche Strategien zum Umgang mit Stress: regelmäßige körperliche Bewegung, wie Laufen oder Spaziergänge mit dem Hund, und kurze mentale Übungen zur Entspannung. Letztere führt sie mithilfe einer App durch, die Visualisierungs- und Atemtechniken in nur ein bis zwei Minuten anbietet. Die Kombination aus körperlicher Aktivität und mentaler Auszeit hilft ihr, berufliche und private Herausforderungen besser zu bewältigen.