Interview Robert Almer - Spitzensport

Der innere Antrieb – und Menschen die an uns glauben führen zu Spitzenleistungen

Ich spreche mit Robert Almer, u.a. Tormann der österreichischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaftsteilnahme 2016, Torwart Trainer des ÖFB bis 2023, was wir vom Spitzensport für den unternehmerischen Alltag lernen können.

Derzeit macht Herr Almer eine Ausbildung zum Physiotherapeuten.

Er ist Familienvater mit 2 Kindern, das Aufwachsen seiner Kinder bewusst zu begleiten, hat eine hohe Priorität in seinem Leben, darauf kommen wir mehrmals im Gespräch zurück.

„Ohne Leistung und Druck – kein Weg nach oben,“ beginnt Herr Almer unser Gespräch.

Sein zentraler Gedanke dahinter: Ohne ein gewisses Maß an Druck und Verbindlichkeit ist nachhaltige Entwicklung – individuell wie gesellschaftlich – kaum möglich. Ohne Leidenschaft, klare Regeln und das ständige Ringen um Verbesserung kommt man nicht an die Spitze.

Im Sport zeigt sich früh, dass nur mit Disziplin, Zielstrebigkeit und Verzicht echte Erfolge möglich sind. Leistung entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Umfeld klarer Regeln, Feedbackmechanismen und ständiger Reflexion. Das gilt für den Sport genauso wie für die Wirtschaft: Wer kein Teamplayer ist oder Verantwortung nicht übernimmt, hat es schwer – im Profisport wie im Unternehmen. Herr Almer ist mit 14 Jahren freiwillig in ein Internat – mit dem klaren Fokus, im Profifußball erfolgreich zu sein. Dort hat er erlebt, wieviel Training und Verzicht notwendig sind, um das erstrebenswerte Ziel zu erreichen. „Die Karriere funktioniert nur, wenn man bereit ist, mehr zu geben als andere“, sagt er.

Reflexion, Druck und Vertrauen – was der Spitzensport über gesundes Wachstum lehrt

Die eigene Profi-Sportkarriere beschreibt Herr Almer als Lebensschule: Frühzeitig wurden Ziele gesetzt, Erfolge verfolgt, Rückschläge (u.a. Verletzungen oder Druckkrisen) verarbeitet – auch mithilfe professioneller psychologischer Unterstützung. Diese Erlebnisse zeigen, wie wichtig es ist, früh ein Gespür für die eigene Belastungsgrenze zu entwickeln – um später nicht in Überforderung oder Burnout zu geraten. Die Fähigkeit, rechtzeitig auf sich selbst zu hören und klare Grenzen zu ziehen, ist essenziell – sowohl für die körperliche als auch psychische Gesundheit.

Im Leistungssport gehört Selbstreflexion zum Alltag – im wahrsten Sinne des Wortes. Training, Videoanalysen, tägliches Feedback: Als Profifußballer lernt man früh, sich selbst zu hinterfragen – was war gut, was weniger, wo kann ich besser werden? „Diese Kultur der ständigen Rückmeldung schafft nicht nur Klarheit, sondern gibt auch Energie“, meint Herr Almer. In der Wirtschaft fehlt das oft. Feedback passiert selten, häufig unter Druck, selten konstruktiv. Und doch wäre genau das so wichtig – nicht nur für Leistung, sondern auch für Gesundheit und Zusammenhalt im Team.

Besonders eindrücklich ist die Erfahrung mit einem Teampsychologen, der in einer Einheit eine Übung initiierte: Jeder Spieler zog den Namen eines Kollegen, den er wenig kannte – und nannte drei positive Eigenschaften, die er ins Team einbringt. Der Effekt war erstaunlich: Wertschätzung aus unerwarteter Richtung löst nicht nur Motivation aus – sie stärkt das Miteinander und wirkt nach.

Reflexion braucht aber auch Raum für Ehrlichkeit. Herr Almer erzählt offen von Momenten, in denen der Druck zu groß wurde – Verletzungen, Rückschläge, Leistungszweifel. Es war professionelle Hilfe, die half, die Kontrolle wiederzuerlangen. Aber entscheidend war auch: Das Vertrauen eines Trainers. Einer, der an dich glaubt, selbst wenn andere zweifelten. Der sagt: „Du bist meine Nummer 1.“ Dieses Vertrauen machte Leistung erst möglich – auch unter medialem und innerem Druck.

Für die eigene Entwicklung war der Rückhalt extrem wichtig. Die eigene Bereitschaft, durchzuhalten, auch wenn es schwer wird, ist ebenso entscheidend. Denn wer Ziele erreichen will – ob im Sport oder in der Wirtschaft – muss investieren: Zeit, Energie, manchmal auch persönliche Entbehrung. Was der Profifußball hier lehrt, ist universell übertragbar: Klarheit, Feedback, Vertrauen – und der Wille, dranzubleiben. Denn am Ende geht es nicht darum, immer alles zu schaffen. Sondern darum, sagen zu können: „Ich habe alles gegeben.“

Was hat Ihnen besonders geholfen, immer wieder dranzubleiben?

Vertrauen statt Druck: Persönlicher Glaube bewirkt mehr als jede Ansage

„Was hat mir in schwierigen Momenten wirklich geholfen? Vertrauen – und Menschen, die an einen glauben“, reflektiert Herr Almer in unserem Gespräch. Diese Erfahrung zieht sich durch die gesamte Karriere von Herrn Almer wie ein roter Faden. Nicht Kontrolle oder tägliche Gespräche waren entscheidend, sondern das spürbare Gefühl: „Du bist gut – ich vertraue dir,“ sagt Herr Almer. Ein solches Vertrauen, etwa durch einen Trainer, kann enorme Stabilität geben – gerade wenn äußere Zweifel und Rückschläge überwiegen.

Als Problem identifiziert Herr Almer, dass es oft Menschen gibt, „die einen über Jahre klein machen, irgendwann übernimmt man diese Haltung selbst“. Umso wertvoller sind Bezugspersonen, die einen daran erinnern, was wirklich in einem steckt – auch mit wenigen Worten, aber klarer Haltung. Diese Erfahrung lässt sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen.

Die entscheidende Frage ist: Wie gehen wir mit Schwächen um? Statt reflexhaft auf Fehler oder Bewertungen zu starren, geht es darum, echtes Lernen zu ermöglichen. Nicht durch Druck von außen, sondern durch innere Motivation und unterstützende Rahmenbedingungen. Entwicklung braucht Vertrauen, echtes Feedback und eine Kultur, in der auch Fehler wertvolle Lernschritte sein dürfen. Nur so entsteht ein Umfeld, das stärkt – und in dem Potenzial sich wirklich entfalten kann.

Der innere Antrieb wirkt stärker als jede Vorschrift

Noch eine wichtige Erkenntnis ergänzt Herr Almer: „Der wichtigste Motor für Leistung ist nicht äußere Kontrolle – sondern innerer Antrieb“. Egal in welchem Umfeld: Nur wer selbst will, bringt dauerhaft Leistung. Herr Almer schildert eindrucksvoll, wie er sich schon als Jugendlicher freiwillig einem Alltag voller Disziplin, Training und Verzicht unterzogen hat – nicht, weil es jemand gefordert hat, sondern weil das Ziel ihn getragen hat.

Gerade dieser intrinsische Antrieb fehlt heute vielerorts. Präsentismus, Dienst nach Vorschrift, geringe Eigenverantwortung. Es fehlt an Bezugspersonen, die andere zum Wollen befähigen. Dabei wäre das der Schlüssel. Menschen, die an andere glauben. LehrerInnen, Führungskräfte, TrainerInnen, die Vertrauen schenken und dadurch Potenzial wecken.

Systeme müssen Anreize schaffen, Leistung zu fördern, ohne sie nur zu fordern. Und sie müssen Räume öffnen, in denen Motivation entstehen kann – durch Sinn, durch Beteiligung, durch Perspektiven. Denn echte Entwicklung beginnt nicht bei der Vorschrift, sondern bei der Frage: Warum will ich das eigentlich? Und wer zeigt mir, dass es sich lohnt?

Neue Wege, neue Rollen: Warum Leistung und Entwicklung nicht an der Karriere-Endstation enden

Nach dem Karriereende im Profifußball war für Herrn Almer nicht Schluss – es öffneten sich neue Türen: als Sportdirektor, Torwarttrainer und später auch als TV-Experte. Jeder Abschnitt brachte neue Chancen, aber auch neue Entscheidungen – besonders, wenn sich die Prioritäten mit der Familie verschieben. Der Wechsel in diese neuen Rollen bedeutete auch, mit Leistung und Druck neu umzugehen – weniger intensiv als im Profisport, aber reflektierter, bewusster.

Heute erlebt Herr Almer bei seiner Ausbildung an der Universität, wie unterschiedlich Menschen mit Druck umgehen. „Wo im Sport tägliches Feedback und Leistungsorientierung selbstverständlich sind, fehlt vielen Studierenden dieser Umgang“, fasst Herr Almer die eigenen Beobachtungen zusammen. Ein Bildungssystem ohne echte Konsequenzen vermittelt: Druck ist vermeidbar. Doch das wird der Realität nicht gerecht – weder im Berufsleben noch im Leben selbst.

Er ist überzeugt: Wer etwas erreichen will, muss investieren – in Zeit, in Energie, in sich selbst. Nicht um jeden Preis, aber mit Klarheit. Und: Junge Menschen brauchen mehr Begleiter, die fordern und fördern, die Halt geben – wie es im Sportverein oft noch gelingt.

Im Sport gibt es klare Regeln. Integration und Kooperation funktionieren nur, wenn es Verbindlichkeit, Konsequenz und gegenseitige Verantwortung gibt. Gerade der Sport zeigt, wie Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen durch gemeinsame Regeln und Ziele zusammenfinden können.

Im Sport werden nicht nur Talente geschmiedet, sondern auch Werte wie Zusammenhalt, Disziplin und Verantwortung gelebt. Nicht jeder muss Profi werden – aber jeder braucht ein Umfeld, das stärkt. Denn Entwicklung passiert dort, wo Leistung wertgeschätzt – und Vertrauen geschenkt wird.

Aus der Arbeit als Trainer: Was wir Kindern nicht mitgeben, holen sie sich selten später

Erziehung ist keine Frage der Technik, sondern der Haltung. Wenn Kindern niemand beibringt, wie man Dinge selbst herausfindet, sich durchbeißt oder mit Kritik umgeht – dann fehlt dieses Rüstzeug im späteren Leben. Was im Sport selbstverständlich ist – ein ständiger Abgleich zwischen Leistung, Rückmeldung und Entwicklung – fehlt in vielen Bereichen der Gesellschaft.

Es beginnt früh, meint Herr Almer und bringt einige Beispiele:
– Kinder, die nie lernen, Schuhe zu binden, bekommen Klettverschlüsse.
– Wer Konflikten aus dem Weg geht, lernt nie, sie zu lösen.
– Und wer Fehler macht, bekommt zwar Kritik, aber keine Anleitung, wie es besser geht.

Es mangelt an Vorbildern, die ehrlich, fordernd und gleichzeitig unterstützend sind. Kinder erleben weniger Leistungsanreize, sie werden früh aus Konflikten herausgehalten und oft nicht mit Konsequenzen konfrontiert. Doch das Leben – insbesondere das Berufsleben – funktioniert nicht ohne Verantwortung, Verlässlichkeit und Belastbarkeit. Wenn junge Menschen diese Erfahrungen nicht früh machen, fehlt ihnen später das Rüstzeug, um mit beruflichem Druck gesund umzugehen.

Besonders stark wird das im Sport sichtbar. Hier zählt nicht, was man verspricht, sondern was man tut. Erfolg entsteht selten aus dem Nichts – sondern durch viele kleine Entscheidungen, durch Disziplin und durch Menschen, die an einen glauben. Die besten Trainer, Lehrer oder Führungskräfte wissen: Es geht nicht darum, jemanden perfekt zu machen – sondern stark, selbstständig und lernfähig.

Was wir unseren Kindern mitgeben sollten, fasst Herr Almer zusammen: „den Mut zur Eigenverantwortung und den Wert von Anstrengung!“ Wenn wir als Gesellschaft wollen, dass junge Menschen eigenverantwortlich, leistungsbereit und teamfähig werden, müssen wir ihnen das auch zumuten – durch klare Grenzen, echte Herausforderungen und regelmäßiges Feedback. Nicht um sie zu überfordern, sondern um sie zu stärken.

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