Empowerment in Zeiten der KI-Transformation: Warum Vertrauen der wichtigste Erfolgsfaktor ist

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Wenn Unternehmen heute über Transformation sprechen, führt kaum ein Weg am Thema Künstliche Intelligenz vorbei. Doch während oft über Technologien, Tools und Anwendungsfälle diskutiert wird, liegt die eigentliche Herausforderung an einer ganz anderen Stelle: bei den Menschen.

Genau darüber spreche ich mit Iris Brachmaier, Chief People Officer bei UNIQA.

Die Einführung von KI ist für Iris Brachmaier keine Technologietransformation, sondern vor allem eine „People Transformation“. Neue Technologien verändern nicht nur Prozesse, sondern lösen Unsicherheit, Erwartungen und manchmal auch Ängste aus. Mitarbeitende fragen sich, welche Auswirkungen die Veränderungen auf ihre Rolle und ihre Zukunft haben werden.

Für sie zeigt sich dabei eine Erkenntnis, die unabhängig von der jeweiligen Technologie gilt: Veränderungsprojekte scheitern selten an der Technik. Sie scheitern, weil Menschen nicht ausreichend eingebunden werden. Deshalb setzt UNIQA bei ihrer KI-Transformation bewusst auf einen interdisziplinären Ansatz erklärt sie: „Business, People, IT sowie Legal & Compliance steuern den Prozess gemeinsam. Das gemeinsame Leitbild lautet dabei: „People first, AI everywhere.“

Vertrauen als Grundlage von Empowerment

Diese Haltung prägt Iris Brachmaiers Führungsverständnis „Empowerment beginnt mit Vertrauen.“

Bei UNIQUA werden Menschen als Expertinnen und Experten auf ihrem Gebiet eingestellt. Führung bedeutet deshalb nicht, alles besser zu wissen oder Entscheidungen zentral zu kontrollieren. Vielmehr geht es darum, Verantwortung dorthin zu geben, wo das Fachwissen vorhanden ist.

Empowerment bedeutet für Iris Brachmaier: „Menschen echte Verantwortung zu übertragen, sowohl operativ als auch bei strategischen Fragestellungen. Wichtig ist ihr auch Orientierung, denn Mitarbeitende müssen wissen, wofür sie Verantwortung übernehmen und welchen Beitrag sie zur gemeinsamen Mission leisten.“

Besonders sichtbar wird das in ihrem eigenen Führungsteam. Die wöchentlichen Teammeetings werden nicht von ihr vorbereitet oder gesteuert. Die Themen kommen aus dem Team selbst, die Verantwortung für die Agenda liegt bei den Führungskräften. Sie versteht sich dabei bewusst nicht als Mittelpunkt des Meetings, sondern als Teilnehmerin.

Führung als ständige Reflexion

Dieses Führungsverständnis hat sich bei Iris Brachmaier im Laufe ihrer Karriere gefestigt, geprägt wurde sie sowohl von positiven als auch von negativen Führungserfahrungen.

Früh in ihrer Karriere erlebte sie Führungskräfte, die stark auf Kontrolle und Hierarchie setzten. Diese Erfahrungen machten ihr deutlich, wie sie selbst später nicht führen wollte. Gleichzeitig hatte sie Vorgesetzte, die ihr Vertrauen schenkten, Verantwortung übertrugen und sie in ihrer Entwicklung unterstützten.

Aus diesen Erfahrungen entwickelte sich ihr heutiger Führungsstil. Dabei spielt Reflexion eine zentrale Rolle. Empowerment bedeutet für Iris Brachmaier nicht, einmal Verantwortung zu übertragen und sich anschließend zurückzulehnen. Vielmehr hinterfragt sie kontinuierlich, ob die Balance zwischen Unterstützung und Eigenverantwortung stimmt.

Jede Führungssituation erfordert dabei eine individuelle Betrachtung. Manche Mitarbeitende benötigen mehr Begleitung, andere mehr Freiraum. Empowerment ist deshalb kein starres Konzept, sondern ein situativer Führungsansatz.

Kultur braucht Konsequenz

Vertrauen und Empowerment funktionieren jedoch nur dort, wo sie konsequent gelebt werden, daher braucht es klare Grenzen.

In unserem Gespräch nennt sie ein konkretes Beispiel einer Führungskraft mit hoher fachlicher Kompetenz, das Führungsverhalten war aber nicht mit den kulturellen Grundsätzen des Unternehmens vereinbar. „Wir haben die Zusammenarbeit beendet,“ erklärt Frau Brachmaier, denn wer Kultur als Führungsprinzip ernst nimmt, muss bereit sein, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Empowerment und respektvolle Zusammenarbeit dürfen nicht nur auf Folien oder Leitbildern existieren, sondern müssen im Alltag sichtbar werden.“

Empowerment als Teil der Unternehmenskultur

Bei UNIQA ist Empowerment deshalb nicht nur ein persönlicher Führungsansatz, sondern fest in den sogenannten „Guiding Principles“ des Unternehmens verankert.

Die Kultur soll Mitarbeitende dazu befähigen, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und aktiv zur Weiterentwicklung des Unternehmens beizutragen. Gleichzeitig erhalten Führungskräfte ein breites Unterstützungsangebot – von Coaching über Mentoring bis hin zu individuellen Leadership-Programmen.

Besonders wichtig ist dabei die Vorbildwirkung. „Werte entfalten ihre Wirkung nicht durch Plakate oder Präsentationen, sondern durch das tägliche Verhalten von Führungskräften“, meint Iris Brachmaier.

Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen wird diese Vorbildrolle immer wichtiger. Führung bedeutet heute nicht mehr, Antworten auf alle Fragen zu haben. Vielmehr geht es darum, Orientierung zu geben, Unsicherheit auszuhalten und Menschen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Beitrag zur Veränderung zu leisten.

Sichtbarkeit schafft Vertrauen

Ein weiterer Aspekt, den Iris Brachmaier hervorhebt, ist die Bedeutung von Sichtbarkeit. Führungskräfte müssen präsent sein – nicht nur organisatorisch, sondern vor allem menschlich.

Ob bei internationalen Management-Foren, internen Veranstaltungen oder informellen Gesprächen: „Führung entsteht dort, wo Austausch stattfindet. Gerade in Transformationsphasen benötigen Mitarbeitende Orientierung, Dialog und die Möglichkeit, ihre Fragen und Sorgen offen anzusprechen.“

Für Iris Brachmaier ist dies ein wesentlicher Bestandteil wirksamer Führung, denn „Vertrauen entsteht nicht durch Anweisungen, sondern durch Beziehungen“.

Empowerment als Zukunftskompetenz

Das Gespräch mit Frau Brachmaier macht deutlich, dass Empowerment weit mehr ist als ein modernes Management-Schlagwort. Es ist eine Haltung, die auf Vertrauen, Verantwortung und konsequenter Kulturarbeit basiert.

Gerade in einer Zeit, in der technologische Entwicklungen immer schneller voranschreiten und traditionelle Sicherheiten zunehmend verschwinden, wird diese Haltung zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.

Iris Brachmaier fasst zusammen: „die Zukunft von Organisationen wird nicht durch Technologien gestaltet. Sie wird von Menschen gestaltet, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – und von Führungskräften, die ihnen das Vertrauen schenken, genau das zu tun.“

Ihr Tipp:

Iris Brachmaier hat über die Jahre Resilienz aufgebaut, sowohl im beruflichen als auch im privaten. Ein wichtiger Schritt: Abstand gewinnen

Sport ist ihr aktiver Begleiter, um zur Ruhe zu kommen.

Weiters ist sie eine große Musikliebhaberin, was sich durch regelmäßige Opernbesuche im Alltag als auch im Urlaub zeigt. Auch Ausstellungsbesuche bringen einen anderen Blickwinkel.

Die wichtigsten Erkenntnisse

1. Warum scheitern viele KI-Transformationen in Unternehmen?

Nicht die Technologie ist das größte Hindernis, sondern mangelnde Einbindung der Menschen. Erfolgreiche Transformation beginnt mit Vertrauen, Kommunikation und Beteiligung.

2. Was bedeutet Empowerment in Zeiten von Künstlicher Intelligenz?

Empowerment bedeutet, Verantwortung dorthin zu geben, wo das Wissen und die Expertise vorhanden sind – und Mitarbeitenden Orientierung für ihren Beitrag zur gemeinsamen Mission zu geben.

3. Wie wird Empowerment Teil einer Unternehmenskultur?

Empowerment entsteht, wenn Führungskräfte Vertrauen vorleben, Verantwortung teilen und kulturelle Werte konsequent im Alltag umsetzen – nicht nur in Leitbildern oder Präsentationen.

Fotocredit: UNIQA

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