Führung und Kultur prägen das gesamte Umfeld

Empowerment ist für Sie selbst sehr wichtig. Wie leben Sie selbst Empowerment und versuchen so auch Ihre MitarbeiterInnen zu stärken.

Für mich beginnt Empowerment immer bei mir selbst: bei der eigenen Klarheit, der Selbstwahrnehmung und dem inneren Antrieb. Ich bin überzeugt, dass das Bewusstsein für die eigenen Stärken, verbunden mit echtem Ehrgeiz und der konsequenten Arbeit an einem klaren Ziel, die eigentliche Grundlage für alles Weitere ist. Wenn ich wirklich weiß, was ich will – und entschlossen daran festhalte – erlebe ich immer wieder, dass sich Wege öffnen, die ich zuvor nicht für möglich gehalten hätte.

Konkret habe ich Empowerment gelebt, indem ich meine Karriere aktiv gestaltet und Herausforderungen mutig angenommen habe. Das bedeutete für mich zum Beispiel, China zu verlassen und immer wieder in neue Länder zu ziehen – Entscheidungen, die nicht selbstverständlich sind und die ohne die Unterstützung meiner Familie nicht möglich gewesen wären.

Meine Mitarbeiterinnen stärke ich vor allem durch Vorbildwirkung und indem ich aktiv eine Kultur fördere, die weibliche Führungskräfte sichtbar macht und unterstützt. Ich hatte bei IKEA das Glück, früh in einem Umfeld zu arbeiten, in dem starke weibliche Führung gelebte Normalität war – und in dem erfahrene Führungskräfte junge Talente gezielt gefördert haben. Als junge Frau bereits Store Managerin werden zu können, hat mir gezeigt: Bei IKEA ist es möglich, unabhängig von Alter und Geschlecht in Führungspositionen aufzusteigen – wenn man gut genug ist und den Willen mitbringt.

Bei IKEA legen Sie viel Wert auf Empowerment. Wie ist Empowerment bei IKEA spürbar. Was ist Ihnen dabei wichtig?

Empowerment ist bei IKEA kein Schlagwort, sondern tief in der Unternehmenskultur verankert. Junge weibliche Talente zu fördern betrachten wir nicht als besondere Maßnahme, sondern als selbstverständliche Praxis. Vielfalt ist dabei kein Ziel an sich, sondern das Fundament, auf dem wir unser Handeln aufbauen.

Was mir persönlich am wichtigsten ist: Wir glauben bei IKEA an jeden einzelnen Menschen. Führung kommt bei uns nicht von einer einzigen Person an der Spitze – sie entsteht aus dem Beitrag jedes Einzelnen. Die Einzigartigkeit jeder Person, die zusammenkommt, ergibt eine starke, lebendige Führungskultur. Ich bin fest davon überzeugt, dass diverse Führung – und insbesondere eine starke weibliche Führung – Unternehmen produktiver und zufriedener macht.

Ein konkretes Beispiel, das mich besonders stolz macht: Bei IKEA Österreich liegt die geschlechtsspezifische Lohnlücke bei unter einem Prozent. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter, jährlicher Überprüfung und gezielter Maßnahmen. Für mich ist das ein starkes Zeichen dafür, dass Empowerment bei uns nicht nur in Worten, sondern auch in Taten – und Zahlen – sichtbar wird.

Führungskräfte zu Ermöglichern machen: Wie wird Empowerment von Führungskräften im Unternehmen vorgelebt und weitergegeben?

Empowerment entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen – es ist das Ergebnis einer gelebten Haltung, die von der Unternehmensführung ausgeht und sich durch alle Ebenen zieht. Führung und Kultur prägen das gesamte Umfeld. Wenn das Top-Führungsteam wirklich an die Kraft der Vielfalt glaubt, wird es deutlich einfacher, diese Werte im gesamten Unternehmen zu verankern.

Für mich sind Führungskräfte dann echte Ermöglicher, wenn sie aktiv daran arbeiten, ihre Managementteams vielfältiger zu gestalten – und wenn sie dafür auch den Austausch über das eigene Unternehmen hinaus suchen. Es lohnt sich, mit Führungsteams anderer Unternehmen ins Gespräch zu kommen: Welche Überzeugungen treiben sie an? Wie gehen sie mit dem Thema Diversität in der Führung um? Solche Perspektiven erweitern den eigenen Horizont und schärfen das Bewusstsein dafür, was wirklich möglich ist.

Darüber hinaus braucht Empowerment auch praktische Unterstützung. Als Beispiel nenne ich gerne unsere Mobilitätsabteilung bei IKEA, die internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Umzügen in andere Länder professionell begleitet – von der Wohnungssuche bis zur Schulplatzfrage für Kinder. Diese Art von Unterstützungssystem ist kein Nice-to-have. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen überhaupt die Möglichkeit haben, mutige Schritte in ihrer Karriere zu wagen. Ohne diese Unterstützung wäre es schlicht nicht möglich.

Das Interview wurde schriftlich durchgeführt.

Fotocredit: Ikea/© NIKLAS STADLER | www.niklasstadler.at

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